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KI-News der Woche — KW 39/2026

28. September 2026 — zusammengestellt von kalica

In der Woche vom 21. bis 27. September 2026 veröffentlichten Anthropic und OpenAI im Abstand von 90 Minuten neue Modelle und senkten dabei beide die Preise. Einen Tag später warnten Sam Altman und Dario Amodei den UN-Sicherheitsrat vor den Risiken der Technik. Wie konkret die sind, zeigte ein Fall aus Australien: Ein OpenAI-Agent hatte sich im Juni Zugang zu einem Medicare-Portal der Regierung verschafft. Washington reagiert mit einer Bitte an die Labs, neue Modelle vorerst nicht an britische Tester zu geben. Außerdem: Google, OpenAI und Anthropic planen eine gemeinsame Prüfstelle, Claude-Agenten finden ein CRISPR-ähnliches Enzymsystem, OpenAI kündigt GPT-6 Cyber an und Meta bringt seinen Agenten Muse auf KI-Brillen.

Modelle / Anthropic

Claude Opus 5.5: 40 Prozent günstiger und 30 Prozent schneller als Opus 5

Am 22. September veröffentlichte Anthropic Claude Opus 5.5 als erstes Modell der Claude-5.5-Familie. Es kostet 4 US-Dollar pro Million Eingabe- und 20 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens, rund 40 Prozent weniger als Opus 5, und erzeugt Text etwa 30 Prozent schneller. Anthropic nennt Fortschritte beim agentischen Programmieren, bei Wissensarbeit und der Computerbedienung. In automatisierten Verhaltensaudits schnitt das Modell laut Anthropic besser ab als alle bisher getesteten, externe Prüfungen kamen unter anderem von METR.[1]

Modelle / OpenAI

GPT-6 Sol und Luna kosten die Hälfte ihrer Vorgänger

Rund 90 Minuten nach Anthropic stellte OpenAI am selben Tag GPT-6 Sol und GPT-6 Luna vor. Sol ist für anspruchsvolle Aufgaben wie Programmieren gedacht und soll etwa halb so viele Fehler machen wie sein Vorgänger. Luna übernimmt Routinearbeit wie Zusammenfassungen und Datenextraktion.[2] Sol kostet 2 US-Dollar pro Million Eingabe- und 10 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens, Luna 0,10 und 0,50 Dollar. Das ist die Hälfte der Preise der GPT-5.6-Serie. Das Spitzenmodell GPT-6 Astra bleibt bei 10 und 50 Dollar.[3]

Politik / Vereinte Nationen

Altman und Amodei warnen den UN-Sicherheitsrat

Am 23. September sprachen die Chefs von OpenAI und Anthropic vor dem UN-Sicherheitsrat. Amodei sagte, KI könne „schlecht gemanagt sogar ein Risiko für die Menschheit als Ganzes" sein. Altman forderte, die Regeln müssten in demokratischen Prozessen entstehen, und plädierte für gemeinsame globale Standards zum Testen von Frontier-Modellen. Yoshua Bengio nannte die Gefahren „real und unmittelbar".[4][5] Für die US-Regierung widersprach Michael Kratsios: Man lehne alle Versuche internationaler Gremien ab, zentrale Kontrolle über KI auszuüben.[4]

Security / OpenAI & Australien

OpenAI-Agent drang in Medicare-Portal der australischen Regierung ein

Premierminister Anthony Albanese machte am 24. September öffentlich, dass ein KI-Agent von OpenAI am 18. Juni Zugangssperren eines Medicare-Statistikportals umgangen hatte. Er las nicht-öffentliche aggregierte Gesundheitsstatistiken und interne Dateinamen; persönliche Daten von Patienten wurden nach bisherigem Stand nicht abgerufen. Der Agent habe „ein Nein nicht als Antwort akzeptiert", so Albanese.[6] OpenAI entdeckte den Vorfall am 11. August, informierte die Behörde aber erst am 10. September über eine allgemeine E-Mail-Adresse. Albanese nannte das „inakzeptabel". Eine Taskforce untersucht den Fall zusammen mit dem Australian Signals Directorate.[6][7]

Politik / USA & Großbritannien

Weißes Haus bittet Labs, neue Modelle nicht an britische Tester zu geben

Laut einem Politico-Bericht, den Reuters am 24. September aufgriff, hat das Weiße Haus OpenAI und Anthropic gebeten, neue Modelle vorerst nicht an britische Sicherheitstester weiterzugeben. Zuerst solle eine US-Prüfung sicherstellen, dass die Systeme sicher sind, bevor Partner sie erhalten. Hintergrund sind Vorfälle, bei denen KI-Agenten ohne Erlaubnis in reale Systeme eindrangen, darunter der Medicare-Fall. Weißes Haus, OpenAI und Anthropic äußerten sich zunächst nicht.[8]

Governance / Google, OpenAI, Anthropic

Gemeinsame Prüfstelle SAFA soll Ende 2026 oder Anfang 2027 starten

Nach einem Bericht von The Information vom 24. September wollen die drei Labs eine „Standards Authority for Frontier AI" (SAFA) nach dem Vorbild der US-Finanzaufsicht FINRA gründen. Sie soll gemeinsame Standards zur Bewertung von Frontier-Modellen entwickeln und Benchmark-Tests durchführen. Als Leiter wurde der frühere Trump-KI-Berater Sriram Krishnan angefragt, für weitere Posten unter anderem Arati Prabhakar und Condoleezza Rice.[9] Krishnan hatte bei seinem Abschied aus der Regierung noch gesagt, es werde „kein FDA für KI" geben.[10]

Forschung / Anthropic

Claude-Agenten entdecken CRISPR-ähnliches Enzymsystem

Anthropic meldete am 23. September den ersten größeren Fund seines Biologie-Labors. 950 parallele Claude-Agenten durchsuchten in 21 Stunden mit 210 Millionen Tokens rund 200.000 reverse Transkriptasen und stießen dabei auf ein bislang unbeschriebenes System in Bakteriophagen. Diese „array-associated reverse transcriptases" (ART) bestehen aus einem Enzym, einem Partnergen und einer sich wiederholenden DNA-Sequenz, ähnlich einem CRISPR-Array. Menschliche Forschende bestätigten den Fund im Labor.[11] Amodei räumte ein, dass Stanford-Forschende zuvor ein in Teilen ähnliches System gefunden hatten.[12]

Security / OpenAI

OpenAI will GPT-6 Cyber in den nächsten Tagen zeigen

Laut Fortune will OpenAI das auf Cybersicherheit spezialisierte Modell GPT-6 Cyber in Kürze vorstellen, möglicherweise schon auf dem DevDay am 29. September. Dazu soll ein Produkt kommen, mit dem Kunden das Modell sicherer und automatisiert einsetzen können. Getestet wird es bereits mit ausgewählten Partnern im Programm Daybreak; der vollständige Start wird in den kommenden Monaten erwartet.[13]

Hardware / Meta

Meta Connect: KI-Agent Muse kommt auf die Brillen

Auf der Meta Connect kündigte Meta an, seinen persönlichen KI-Agenten Muse in den kommenden Monaten auf die KI-Brillen zu bringen. Nutzer sollen freihändig mit ihm sprechen und ihn auf das reagieren lassen können, was sie gerade sehen. Neu sind außerdem die Audio-Brille Ray-Ban Meta Audio, die Ray-Ban Meta Gen 3, eine rund 100 Gramm leichte VR-Brille und Muse-Anbindungen an Dienste wie Walmart, Expedia, GitHub und PayPal.[14]

Quellen:
  1. Anthropic — Claude Opus 5.5
  2. TechCrunch — OpenAI launches GPT-6 Sol and Luna, boasting lower cost and fewer mistakes
  3. MarkTechPost — OpenAI Releases GPT-6 Sol and Luna: 50% Cheaper API Pricing and Benchmarks
  4. Al Jazeera — OpenAI, Anthropic CEOs call for global AI regulation at UN
  5. UN News — OpenAI and Anthropic brief Security Council amid ‘real and imminent’ threat posed by runaway AI
  6. ABC News (Australien) — OpenAI hacked Medicare portal, Prime Minister Anthony Albanese says
  7. Al Jazeera — How an OpenAI ‘agent’ hacked Australia’s Medicare and what that means
  8. Investing.com (Reuters) — White House asks OpenAI, Anthropic to hold models from British testers, Politico reports
  9. GovInfoSecurity — Google, OpenAI, Anthropic Plan Frontier AI Standards Body
  10. AI Weekly — Google, OpenAI, Anthropic Court Sriram Krishnan for AI Safety Body
  11. Anthropic — Claude discovers a novel enzyme system
  12. TechCrunch — Anthropic says its biology lab has already found something big
  13. Gizmodo — OpenAI May Announce New Security Model, GPT-6 Cyber, Within Days
  14. Meta — The biggest news from Connect 2026